Orgelinstallation live

Es gibt fast nichts zu hören im Kirchenraum. Die Orgel, die bei jeder Orgel-Installation immer wieder neu als Blasinstrument entdeckt wird, entlässt jeden einzelnen Klang, jeden Luftstrom, jedes Rauschen als eine Kostbarkeit, die in der Weite des Raums verloren geht. Höre ich ein Stück? Vielleicht. - Es gibt Orgelstücke (wie CH, dazwischen, immer anders), die auch als Orgel-Installation aufgeführt werden können. Der Unterschied zwischen dem im Orgelkonzert aufgeführten Stück und der Orgel-Installation liegt in der Dauer. Die Orgel-Installation sollte eine Dauer von zwei Stunden nicht unterschreiten. Eher eine Dauer von mindestens vier bis sechs Stunden anstreben. Der Hörer, der den Raum betritt, hat in diesem Moment alle Zeit der Welt. Zeit zum Hören. Er kann im Raum umherwandern, kann sich mal hierhin, mal dorthin setzen, kann zwischendurch den Raum verlassen, kann wiederkommen (oder auch nicht). Er verpasst nichts, und er muss nichts leisten, nichts mitbekommen, nichts verstehen. Er kommt einfach nur zum Hören. Er findet zum Hören, findet sein Hören: in diesem einen spezifischen Raum, in dem Klang/Luft/Wind-Ströme dieser einen spezifischen Orgel rauschen.

Alle Klänge, alle Luftströme und Geräusche sind leise, sind manchmal kaum wahrnehmbar.

Musikalischer Klang, musikalisches Geräusch und Klang des Alltags, Geräusch der Umwelt vermischen sich. Musikalischer Klang und musikalisches Geräusch fordern hier nicht Stille wie ein Musikstück. Diese Klänge und Geräusche brauchen keinen stillen Raum. Sie sind selbst still und schaffen mit ihrer Stille einen stillen Raum, der die Geräusche der Umwelt und die Außenklänge aufnimmt.

Maschine Orgel und Mensch arbeiten einander zu. Klänge, die fast ewig dauern, könnte der Atem des Menschen nicht hervorbringen. Aber die Orgel lässt sich auch nicht als Maschine einstellen: die Orgel-Installation erfordert einen Spieler, der die Tasten bewegt, der den Wind zum Strömen bringt.

Nicht zufällig ist der sakrale Raum der Ort, an dem die Orgel-Installation stattfindet. Der sakrale Raum der Kirche wird ein Ort, an dem Menschen einfach nur da sind, nur leben und atmen – und sonst nichts. An dem jedem Menschen Zeit gelassen wird zum Hören – frei von jeglicher Bedeutung der Klänge und Luftströme.

Eva-Maria Houben

organ installation live

There is hardly anything you may hear in the church. The organ – its windness being rediscovered over and over again at any organ installation – releases as a jewel each single sound; each stream of air; each noise: disappearing into the space of the hall.

Am I realizing a piece? Maybe. There are works for the organ (as CH, dazwischen, immer anders) which may be performed as an organ installation: it is different from performing works according to its duration. Organ installations should be performed for a minimum of two hours; better to aim at four to six hours. The listener has all the time of the world when entering the location. Time to listen. He or she may stroll to and fro; to have a seat here and there; to leave the location and to return (or decide not to). Those listening will not miss a thing; will not have to work; will not have to realize; will not have to understand: just come and listen. He or she will find the way to listening: in this particular room with this particular organ and its streams of sound/ air/ wind. All sound, all streams of air and noises are quiet; sometimes hardly recognizable.

The sound of music; the noise of music; the sound and noise of everyday life: they cut into each other. Both sound and noise of music do not depent on silence as with a piece of music. Both sound and noise do not need any silent location: they are quiet themselves; it is their quietness creates silent rooms, which welcome all sounds.

It is Organ The Machine and human beings working together. Man cannot breathe sounds of almost eternal duration; But the organ must not be considered a machine. An organ installation requires the player: moving the keys; make the winds stream.

Organ installations at sacred spaces: not a coincidence. Churches’ sacred spaces turn into locations for people to nothing more than just be there and breathe; where people can listen- unhindered by any possible meaning of sounds and streams of air.

Eva-Maria Houben

 

 

 

Orgelinstallation als Computer-Einspielung

Gemeinsam mit Bileam Kümper hat Eva-Maria Houben eine Installation entwickelt, bei der unterschiedliche konkrete Orgelklänge (Windstrom, Luft) in zufälligen Zeitintervallen über 8 Lautsprecher abgespielt werden. Diese Komposition hat den Titel ayres (siehe auch Liste der Kompositionen).

organ installation as a computer performance

In cooperation with Bileam Kümper Eva-Maria Houben composed an installation: different concrete organ sounds (air, wind) are played in arbitrary time intervals by 8 loudspeakers. This composition is called ayres (see list of works).