abstracts

1. Widerspruch und Widerstand

Arthur Schopenhauers Lehre von der Selbstentzweiung des Willens, Julius Bahnsens Realdialektik und Rudolf Louis' musikästhetischer Ansatz auf realdialektischer Grundlage werden Anstöße, vielerlei Widersprüche im Sprechen und Denken über Musik und im künstlerischen Schaffensprozess zu untersuchen. Begriffliche Gegensatzpaare in der musikästhetischen und musiktheoretischen Literatur sind ebenso Gegenstand der Untersuchung wie Widersprüche, die sich im Kompositionsprozess auftun. Bei der Frage nach Funktion und Bedeutung ästhetischen Widerstands im gesellschaftlichen Prozess erweist sich Humor im Widerspruch zwischen Erwartung und Erwartungseinlösung als Befreiung von eingeschliffenen Wahrnehmungsgewohnheiten.

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2. Die Aufhebung der Zeit

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Zeit verstärkt Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung und philosophischer Erörterung.  Die Untersuchung beschäftigt sich in einem großen Überblick mit der Vielfalt der Möglichkeiten, wie Musik des 20. Jahrhunderts eine linear verstandene Abfolge von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufzuheben sucht. Das Zeiterlebnis zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermittelt die Erfahrung von  Gegenwart als Zeitfülle. Sein und Werden, Raum und Zeit in der Musik sind vermittelt. Stillstand der Zeit wird als Zusammenwirken von Stille und Klang erfahren. Raumauflösung bedeutet Auflösung fester Zeitmarken und anschaulicher Werte und Proportionen, stetige Verwandlung und Störung gerichteter Abläufe. Raumzerdehnung beschreibt Vorgänge der Klangerweiterung, der Vermittlung zwischen Stimmigkeit und Unstimmigkeit und der Auflösung geschlossener Formen. Verflüchtigung schließlich meint das gänzliche Verschwinden des anschaulich Gegebenen: Freisetzung des Geistigen.

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3. gelb. Neues Hören. Vinko Globokar, Hans-Joachim Hespos, Adriana Hölszky

"gelb" wird zum Zeichen für Energie. In der Auseinandersetzung mit Kompositionen von Vinko Globokar, Hans-Joachim Hespos und Adriana Hölszky wird exemplarisch eine Kompositionsweise beschrieben, die als Verknüpfung unterschiedlicher, ungleichförmig bewegter Klänge charakterisiert werden könnte. Angestrebt werden unzusammenhängende Zusammenhänge, Verbindungen von Unvereinbarem, Inszenierungen bewegter Wirkungsgefüge, deren Bestandteile mit- und gegeneinander wirken. Als bewegte sind die Gefüge der Beziehungen immer nur im Augenblick existent und im Übergang zu erfahren. "gelb" verweist auf Wirkungszusammenhänge, auf Mannigfaltigkeit und Verdichtung, auf Bewegung und Veränderung. Wahrnehmung wird zur Wahrnehmung von Transformation, Bewegung und Übergang, von jeweils eigener Wahrnehmung in ihrer beständigen Veränderung.

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4. hans-joachim hespos

Die einzelnen Beiträge lassen stets andere Facetten in Leben und Werk des Komponisten Hans-Joachim Hespos aufleuchten. Zu Wort kommen Musikwissenschaftler, Publizisten, Dirigenten, Interpreten, Schüler und Lehrer. Dabei wird der zeitliche Rahmen sehr weit gesteckt: Frühe Werke wie auch späte werden erwähnt. Anekdoten aus der Rezeptionsgeschichte fehlen ebenso wenig wie Berichte über Probenarbeiten und Aufführungssituationen. - "herzlichen glückwunsch!" - ein Heft zum 60. Geburtstag des Komponisten.

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5. immer wieder neu überraschend anders. 5 Jahre Komponisten-Porträts an der Universität Dortmund

Alle Komponistinnen und Komponisten, die in den Jahren 1994 bis 1999 im Institut für Musik und ihre Didaktik der Universität Dortmund zu Gast waren, haben sich mit einem Beitrag beteiligt: Hans-Joachim Hespos, Adriana Hölszky, Vinko Globokar, Helge Jung, Dieter Schnebel, Michael Denhoff, Violeta Dinescu, Jürg Baur, Younghi Pagh-Paan, Isabel Mundry. Auch Studierende - Theresia Fleck, Roland Marian Hirschhausen, Erik Janson, Alexander Kulosa - kommen zu Wort, berichten über ihre Erfahrungen und Gespräche mit den Komponistinnen und Komponisten. - "Offene Neugier" brachten beide Seiten einander entgegen, in allen zehn Porträts. (Die Reihe wird weitergeführt.)

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6. Alte Musik mit neuen Ohren. Schubert - Bruckner - Wagner...

Im Augenblick eines Aufhörens höre ich Unerklärliches! Ich höre: Etwas hört auf... - und es ist immer noch etwas/alles da. Nichts hört auf...  Augenblick des Auf-Hörens: Weckruf fürs Ohr! Höchste Aufmerksamkeit, aktives Da-Sein. Und solche Augenblicke sind beim Hören von alter und neuer Musik zu erleben. - "Neue" Musik - Werke von Hans-Joachim Hespos, Vinko Globokar, Volker Heyn, Antoine Beuger, Younghi Pagh-Paan, Heinz Holliger, Helmut Lachenmann, Juliane Klein, John Cage, Adriana Hölszky: Musik, die immer wieder neu entsteht, im Augenblick der Aufführung und Wahrnehmung überrascht und sprachlos macht, die neu aus dem jeweils letzten Nachhall herausgehört wird. "Alte" Musik - neben Werken von Franz Schubert, Anton Bruckner und Richard Wagner auch Werke von Johann Sebastian Bach, Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Franz Liszt - wird neu im Augenblick neuer Entstehung, da sie sich vom scheinbar Bekannten und Gewohnten befreit. "Zeitrisse" lassen Unschärfe von Übergängen hören, "Atembögen" und "Klänge unter der Lupe" vermitteln zwischen Klang und Formung.

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7. Adriana Hölszky

Adriana Hölszky kommt selbst in zwei Beiträgen zu Wort. Im Gespräch mit Hartmut Möller legt sie grundlegende Vorstellungen zur Konzeption von Zeit in ihren Kompositionen dar, in ihrem Beitrag "Einige Aspekte meiner kompositorischen Arbeit" geht sie auf unterschiedliche Werkgruppen ein, zahlreiche Skizzen und Zeichnungen von der Komponistin selbst veranschaulichen ihre Darstellung. Die Beiträge der Autorinnen und Autoren Beatrix Borchard, Wilfried Gruhn, Jörn Peter Hiekel, Eva-Maria Houben, Hartmut Möller und Peter Petersen widmen sich unterschiedlichen Gattungen, teils konzentriert auf einzelne, teils im Überblick über mehrere Werke. Insgesamt werden Werke aus den Bereichen Kammermusik, Orchestermusik, Chormusik und Musiktheater berücksichtigt. Werkverzeichnis, Diskographie und Bibliographie machen den Band zu einem kleinen Handbuch "Adriana Hölszky".

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8. Juliane Klein

Der Band verknüpft Beiträge unterschiedlicher Art zu Kompositionen von Juliane Klein, enthält Werkanalysen, Auszüge aus Niederschriften von Gesprächen, Berichte Bildender Künstler über ihre Zusammenarbeit mit Juliane Klein, vieles mehr. Das kammermusikalische Werk der Komponistin wird ebenso bedacht wie Kompositionen für Orchester, wie die Oper. Beiträge eher biographischen und anekdotischen Charakters fehlen nicht. Zahlreiche Querverweise verknüpfen die einzelnen Beiträge. Ein Werkverzeichnis gibt einen Überblick über Juliane Kleins kompositorisches Schaffen.

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9. hespos - eine monographie

Hans-Joachim Hespos: ein Komponist, der bis heute als Außenseiter gilt, sich schwerlich irgendeiner Strömung einordnen lässt und sich vorgegebenen Ordnungen hartnäckig widersetzt.  Das Buch ist ein Aufruf zum Hören. An einer Stelle in einem der zahlreichen Briefwechsel, aus dem vielfach zitiert wird, weist Hespos - mit einem Seitenblick auf Wagners Meistersinger - auf die Notwendigkeit hin, die alten Meister nicht bloß zu ehren, nein, sie vielmehr zu hören. Und Hören heißt in Hespos' Redeweise: neu und anders hören. "neu/ander(e)s": ein magisches Wort in seinen Reden, in seinen schriftlichen Äußerungen... Immer wieder aufs neue mit den Ohren zu ertasten, zu eratmen ist Neues, das ganz anders anders ist. Jedes Kapitel  kreist um die utopische Vision des Ohres. - Hespos feiert am 13. März 2003 seinen 65. Geburtstag. Willkommene Gelegenheit, das Buch in diesem Jahr zu seiner Beglückwünschung herauszugeben. Es beginnt mit der Vorstellung der Großeltern Hespos... - und schließt mit einem Blick auf das, was noch aussteht: jetzt noch nicht ist.

Die Darstellung enthält zahlreiche Dokumente, Zitate, Kommentare zu seiner Musik und zur Musik anderer sowie zu musikästhetischen Fragen aus dem Archiv des Komponisten. Hespos hat die Entstehung der Monographie von Anfang an begleitet und in vielen Gesprächen seine eigenständige  musikästhetische Position formuliert, die auch in den Briefen zum Ausdruck kommt. Die Monographie enthält darüber hinaus Werkanalysen von unterschiedlichem Umfang und mit je unterschiedlicher Zielsetzung und eine Fülle von Partiturbeispielen und Bildmaterial. Ein Register der angesprochenen Werke und ein Personenregister erleichtern die Übersicht. Musik und Leben sind auf vielfältige Weise miteinander verzahnt. Querbezüge schaffen ein Netz von Koordinaten. Zwischen den Kapiteln, die chronologisch einander folgen, sind solche zu lesen, die bestimmten Aspekten und Fragestellungen (z.B. zur Notation, zur Ausführung) gewidmet sind.

Was ich mir als Autorin wünsche? Dass ein Leser es manchmal nicht mehr aushält auf seinem Stuhl und denkt: "Jetzt müsste man hören, jetzt müsste man die Musik doch tatsächlich..." - Dass ein Leser anfängt, in diesem Augenblick des Lesens etwas zu vermissen.

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10. stichnoten. ein vorlesebuch für variable besetzung. Gesamtausgabe

stichnoten: für variable besetzung. eine stichnote: ein kurzer text, der nicht mehr als eine seite umfasst. ein kurzer text zum thema hören. stichnoten: leser und hörer lassen sich zeit zum lesen, zum hören. jede stichnote für sich lesen und hören. stichnoten lesen und hören: zeit finden zum fragen.

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11. stichnoten. Künstlertaschenbücher

jede stichnote für sich. gestaltet von ulrike dornis und jens hanke.

12. Violeta Dinescu

Mit diesem Buch entstand das erste Werkverzeichnis der Komponistin Violeta Dinescu. Der Band enthält dreizehn Beiträge von Musikwissenschaftlern, Dramaturgen, Interpreten, Redakteuren, ein Interview mit der Komponistin und einen kurzen Beitrag von ihr selbst, daneben eine Bibliographie und ein Medienverzeichnis. Werke unterschiedlicher Gattungen (Kammermusik, Musik für Soloinstrumente, Oper, Filmmusik) werden angesprochen und aus sehr verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Steht etwa in einem Beitrag eher die Arbeit des Interpreten im Vordergrund, so in einem anderen Beitrag die Arbeit der Dramaturgin oder der Filmemacherin. Auch didaktische Aspekte finden sich: ein Beitrag behandelt die Ergebnisse einer Höranalyse, ein anderer Möglichkeiten theaterpädagogischer Ansätze.

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13. immer wieder anders - überraschend neu. Noch einmal 5 Jahre Komponisten-Porträts an der Universität Dortmund

Der Band enthält Gesprächsnotizen aus den zehn letzten Komponisten-Porträts im Institut für Musik und Musikwissenschaft der Technischen Universität Dortmund und einige Beiträge von Studierenden zu didaktischen Perspektiven, die sich aus den Porträts für die Teilnehmer ergaben. Folgende Komponisten kommen zu Wort: Volker Heyn, Juan Allende-Blin, Antoine Beuger, Juliane Klein, Aurèle Stroe, Christian Wolff, Claus-Steffen Mahnkopf, Johannes Sistermanns, Gerhard Stäbler, Jürg Frey. Viele Partiturbeispiele veranschaulichen die Erläuterungen und Vorträge. (Die Reihe wird weitergeführt.)

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14. Hector Berlioz. Verschwindungen: Anstiftungen zum Hören

Hector Berlioz: ein Visionär? Sicherlich einer der Komponisten des 19. Jahrhunderts, der neue Musik des 20. und 21. Jahrhunderts vorausgehört hat. Mit dem Bild der Äolsharfe sucht er zuweilen seine musikalischen Visionen sprachlich zu fassen. Äolsharfenklänge, das sind - bildlich gesprochen - Eröffnungen, Aufrisse, Durchblicke. Und gerade das Verschwinden von Musik macht wach, weckt auf. Neue Musik, so ist aus Berlioz' Musik herauszuhören, ist Musik nach einem Aufhören. Der etwas ungewöhnliche Begriff Verschwindung, den ich wieder neu zu beleben suche, meint dabei zweierlei: zum einen den lang ausgedehnten Prozess eines Verschwindens, ein Verschwinden, das (so lange wie möglich?) andauert; zum andern die Situation nach einem Verschwinden, die Situation nach dem Erklingen von Musik. Klang kann nicht klingen ohne zu verklingen. Ist dieser Satz eine Binsenweisheit? - oder kann er ein Schlüssel für neues Hören werden? Ich suche ein Aufhören, ein Verklingen: noch nicht ganz verschwunden, noch nicht ganz erschienen - da könnte eine Spur zu finden sein. Beim Verschwinden von Musik eröffnet sich eine schöpferische Situation, Energie und Intensität ist zu spüren. - Berlioz kommt nicht nur als Komponist, sondern auch als Literat zu Wort. Ich lese viele seiner Schriften als Musik, die in Form eines literarischen Textes erscheint, lese manche Situationsbeschreibung in der Partitur als Ausführungshinweis, als Ergänzung der Notation, als ein Mittel, das der Konkretisierung der Klangvorstellung dient. Berlioz' Mitteilung in meiner Lesart: Musik ist weg - jetzt kann sich Musik ereignen.

Werke: Lélio ou Le retour à la vie; La mort d'Orphée; Marche funèbre pour la dernière scène d'Hamlet (aus: Tristia); Grande messe des morts «Requiem»; Grande Symphonie Funèbre et Triomphale; Harold en Italie; Roméo et Juliette; Symphonie fantastique.

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15. MusikDenken. Texte der Wandelweiser-Komponisten (hg. zusammen mit Burkhard Schlothauer)

Dieser Band eröffnet die Reihe Wandelweiser mit Texten einiger Komponisten der Wandelweiser-Komponistengruppe. Er ist den Themen Komponieren / Komposition und Hören gewidmet. Die Beiträge stammen von Antoine Beuger, Jürg Frey, Burkhard Schlothauer, Thomas Stiegler, Michael Pisaro, Marcus Kaiser, Eva-Maria Houben, Manfred Werden, Craig Shepard und Anastassis Philippakopoulos. Die Heterogenität der Texte (das Buch enthält umfangreichere Essays, aber auch kurze Annotationen und Gedanken) ist beabsichtigt. Das einigende Band ist die Thematik, die von unterschiedlichen Perspektiven aus behandelt wird.

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16. Festschrift zum 75. Geburtstag von Norbert Linke (hg. zusammen mit Joachim Dortmüller)

Beiträge zu unterschiedlichen Themenbereichen: Persönliches, Analytisches, zu anderen Komponisten und Interpreten, zur Musiktherapie. Die Vielfalt der Texte begründet sich darin, dass Norbert Linke neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer unermüdlich als Komponist und Interpret tätig war, sich im Musikunterricht an Schulen engagiert hat, in Schulen aufgetreten ist, auch im Bereich Musiktherapie geforscht und publiziert hat.

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17. 1 Milieu. Ein Buch nicht nur zum Lesen (zusammen mit Istvàn Zelenka)

Nicht nur zum Lesen: Diesem Buch könnte ein Leser auch Anregungen zu eigenen Performances und Ausführungen entnehmen, von diesem Buch könnte er sich auch zu eigenen Kompositionen anstiften lassen. Das Buch könnte die Leser einladen, sich an einer 'Komplizenschaft' zu beteiligen, in einen Dialog zu treten, der sich nicht nur auf den Austausch von Informationen beschränkt, sondern auch gemeinsame Erfahrungen bei der Ausführung von Lese- oder Sprechaktionen oder anderen Aktionen ermöglicht. Eine beiliegende CD enthält Partituren, die ein jeder sich frei ausdrucken kann, ferner Bilder, die Istvàn Zelenka gemalt hat.

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